Freitag, 17. Februar 2017

(Kurzgeschichte): Like Ice in the Sunshine...

Like Ice in the Sunshine ...

Kurzgeschichte

written by Jade Night

... Genau, es schmilzt. Und dabei waren wir doch extra zum Snowboarden in die Berge gefahren. "Aus dem Snowboarden wird dann wohl nichts mehr", sagte Kendra, die sich fast noch mehr darauf
gefreut hatte, als ich. Bisher war der Urlaub nicht so toll verlaufen, wie wir uns das eigentlich 
vorgestellt hatten. Schon die Anfahrt war extrem nervig gewesen: Stau, Umleitungen und Verfahren. Aber das kennt man ja schon, wenn man in den Urlaub fährt.


Allerdings hatte ich die 
Hoffnung bis jetzt doch noch nicht aufgegeben, denn noch lagen zwei Wochen vor uns.
"Na gut, ich gehe jetzt erst mal und hole mir ein Eis", sagte ich. "Willst Du auch eines?" "Ja, bitte mit Kirschgeschmack", antwortete Kendra. Das war mir klar, wenn Eis, dann Kirschgeschmack. Das mochte sie am liebsten. Ich ging los, um die beiden Eis zu holen. Als ich zurückkam, überlegten 
wir, was wir nun stattdessen machen könnten. "Wir könnten nach Bregenz fahren oder wandern
gehen", antwortete sie. Wir einigten uns auf Wandern, nach Bregenz konnten wir immer
noch fahren. In der Nähe unseres Hotels sollte es Wasserfälle geben, dort entschieden wir, wollten wir
wandern. Nachdem das geklärt war, gingen wir hoch auf unser Zimmer, um uns fertig zu machen und
loszufahren. Doch bereits auf während der kurzen Autofahrt zu den Wasserfällen begann es,
zu regnen. Erst waren es nur ein paar Tropfen, kaum der Rede wert und so beschlossen wir,
trotzdem loszugehen. Doch bereits nach kurzer Zeit, wir hatten gerade den zweiten Wasserfall
erreicht, begann es, sinnflutartig zu schütten und bereits nach kurzer Zeit waren wir
total durchnäßt. "Das ist ja jetzt wohl nicht wahr", jammerte Kendra, die immer schon regen-
scheu gewesen war. Dass sie bei den paar Tropfen am Anfang überhaupt eingewilligt hatte, loszu-
gehen, grenzte an ein Wunder. Normalerweise blieb sie bei Regen, und seien es nur drei Tropfen,
lieber im Haus. Und jetzt standen wir am zweiten Wasserfall, mitten im strömenden Regen. Aber
sie hatte nicht ganz unrecht - erst schien die Sonne, brachte den Schnee zum Schmelzen und machte unsere Pläne, Snowboarding zu machen, zunichte - und nun regnete es.
"Lass uns zurück zum Hotel fahren und uns umziehen. Dann können wir immer noch entscheiden,
was wir jetzt machen", meinte ich, "hier können wir uns ohnehin nirgends unterstellen". "Gute Idee", meinte sie. Wir machten uns auf den Weg zurück zu unserem Auto. Mittlerweile fing ich an zu frieren. Aber zum Glück gab es ja eine Heizung im Auto.

Nachdem wir uns im Hotel erneut umgezogen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Bregenz. Auf dem Weg dorthin regnete es allerdings immer noch. "Hoffentlich hört das heute noch mal auf", meinte ich. Im Regen in der Stadt herumzulaufen war auch nicht wirklich besser. Aber immerhin
konnten wir etwas Essen und Kaffee trinken. Ich brauchte jetzt nämlich dringend etwas Warmes.
"Schau mal, dort hinten, die Kirche," sagte Kendra, "sollen wir uns die nicht mal ansehen? "Och nö", jammerte ich, "muss das jetzt sein?" "Ja, das ist die Kirche Peter und Paul, die soll echt schön sein",
meinte Kendra. Da merkte man sie wieder, die Unterschiede. Kendra liebte Kirchen, ich nicht. "Na gut, aber danach trinken wir Kaffee. Ich möchte endlich was Heißes trinken und ein Brötchen
mit Honig essen," gab ich nach. "Ok, einverstanden, ich habe ja auch Durst und Hunger", antwortete sie. Fast lustlos latschte ich hinter ihr her zur Kirche. Kirchen mochte ich so gar nicht. Meiner Meinung nach waren die total unnütz. Auch von innen fand ich Kendras ach so tolle Kirche
nicht so berauschend und fragte mich mal wieder, was sie bloß an Kirchen so toll fand. Nicht, dass ich mir die Frage nicht schon hunderte Male gestellt hatte. Als Kendra fertig war mit der
Erkundung der Kirche suchten wir nach einem Café - und konnten prompt keines finden. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn mal irgendetwas glatt gelaufen wäre. Nach langem Suchen
fanden wir schließlich doch noch eines, sogar direkt am See. Wir bestellten uns Kaffee und
Brötchen mit Honig. Ganz unvermittelt sagte Kendra: "Schau mal dort auf der Wiese. Das ist
doch ein Klapperstorch, oder?" "Ja, das ist ein Storch. Musst du immer solch doofen Aus-
drücke wie Klapperstorch verwenden? Das ist echt peinlich," antwortete ich. "Du nervst," gab
Kendra zurück, "du bist immer so schrecklich düster mit deinen Ansichten und Ideen. Manch-
mal wundert es mich echt, dass wir Freundinnen sind." "Ja, stimmt. Aber andererseits
wäre es vermutlich auch langweilig, wenn wir gleich wären," antwortete ich.

Als wir fertig waren, entschieden wir uns, uns noch ein wenig die Stadt anzuschauen. Es war zwar immer noch ungemütlich, allerdings hatte es zu unserer Freude aufgehört, zu regnen. Wir kamen an einem leerstehenden, halbverfallenen Haus vorbei, das mal eine Pizzeria gewesen sein musste. Zumindest konnten man den Schriftzug noch erkennen. "Lass uns mal reingehen," sagte ich. Ich liebte solche alten, verfallenen Häuser und Lost Places und stand total auf Urban Exploring. "Na schön", willigte Kendra ein, wenn auch sehr widerwillig. Sie mochte so etwas nicht. "Oh, wie cool, hier ist ja noch der alte Pizzaofen!" rief ich begeistert. Gerade jetzt, als die Dämmerung einsetzte, war es an solchen Orten besonders toll, wie ich fand. Allerdings entschieden wir, dass es jetzt doch besser
war, zurück zum Hotel zu fahren. Dort angekommen, beschlossen wir, erst einmal zurück auf unser Zimmer zu gehen. Da uns immer noch kalt war, beschlossen wir, uns erst einmal aufzuwärmen und die Bademäntel anzuziehen, bevor wir uns unter die Decke setzten. Allerdings war mein Bademantel noch immer naß, weil er morgens in die Dusche gefallen war. Also lieh ich mir Kendras zweiten. "Na super, jetzt sehe ich aus wie ein kotzender Regenbogen," motzte ich. "Bloß gut, dass mich niemand sonst sieht. Das nächste mal fahren wir nach Paris oder Moskau. Oder vielleicht auch Mailand." Paris und Moskau waren nämlich meine Lieblingsstädte. In der Natur rumzulaufen hingegen definitiv nicht. "Na gut," willigte Kendra zu meiner Überraschung ein. "Bisher ist ja jeder Urlaub, den
ich vorgeschlagen habe, schief gegangen. Weißt Du noch, unser Urlaub ans Meer im Sommer?" Oh ja, daran erinnerte ich mich zu gut: Es ging wirklich alles schief was hatte schiefgehen können: Zuerst hatte das Hotel nicht unser Zimmer gebucht und wir mussten uns etwas anderes suchen. Als wir dann etwas gefunden hatte, war ein Loch in der Zimmerdecke gewesen - und es regnete, die ganzen 14 Tage lang. Urlaub des Grauens nannten wir den Urlaub jetzt nur noch.

Schließlich gingen wir zum Abendessen hinunter. Noch auf dem Weg begegnete uns ein Mann mit Krücken. Wir grüßten höflich und wollten weitergehen, er jedoch fing gleich an, irgendwas zu erzählen. Was, verstand ich nicht, ebensowenig wie Kendra. "Hoffentlich sehen wir den nicht gleich wieder", meinte Kendra. "Der schien ja eine richtige Nervensäge zu sein." "Ja", stimmte ich zu. Doch leider blieb unsere Hoffnung das, was sie war: Hoffnung. Und dann stellte sich auch noch heraus,
dass er das Zimmer neben unserem hatte. Na, das konnte ja noch heiter werden in den nächsten zwei Wochen....

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen